Expertentipp: Enterprise Architecture Management

Unternehmen unterliegen heute aufgrund des immer schnelleren Technologiewandels einem hohen Innovations- und Umsetzungsdruck und der Notwendigkeit, sich in kürzester Zeit an neue Entwicklungen anzupassen – hinzu kommen häufig die Auswirkungen eines schnellen Wachstums.

Einen möglichst exakten Überblick über die eigenen Unternehmensprozesse, Systeme, Verfahren, Daten und die eigene IT-Landschaft zu bewahren ist eine wichtige Voraussetzung, Veränderungen kosteneffizient durchführen zu können. Häufig sind die komplexen und vielschichtigen Verflechtungen mehr oder minder undurchsichtig und nicht geeignet dokumentiert – meterlange Darstellungen mit mikroskopisch kleinen Beschriftungen tragen jedenfalls nicht zum Verstehen bei.

An dieser Stelle will das Enterprise Architecture Management  (EAM) die Dokumentation von Unternehmensprozessen erleichtern, ähnlich der Prozessmodellierung mit den Methoden ITIL oder Business Process Model and Notation (BPMN).

Während sich ITIL jedoch auf den Betrieb des Unternehmens konzentriert und BPMN  hauptsächlich die Geschäftsprozesse fokussiert, ist die Aufgabe der Enterprise Architecture, die wesentlichen Bestandteile des Geschäfts und der IT-Landschaft sowie deren komplexe Abhängigkeiten zu dokumentieren. Dabei soll die Dokumentation die gemeinsame Basis sowohl für Techniker als auch Nicht-Techniker bilden und helfen, Sprachbarrieren abzubauen. Der Abstraktionsgrad und die Detailtiefe der Beschreibung ist frei wählbar, jedoch sind folgende Aspekte meist enthalten:

  • Die Geschäftsarchitektur
  • Die Datenarchitektur
  • Die Anwendungsarchitektur
  • Die Infrastrukturarchitektur

Eine der Aufgaben der Enterprise Architecture ist es, diese vier Domänen aussagekräftig miteinander zu verknüpfen. Diese können als Ausgangsbasis für die Zertifizierung des Unternehmens z.B. nach ISO 9001 (Qualitätsmanagement) oder ISO 27001 (Informationssicherheitsmanagement) genutzt werden und so die Enterprise Architecture beispielsweise um die Sicherheitsarchitektur ergänzen.

Der Aufbau der Unternehmensarchitektur lässt sich mit Enterprise Architecture Frameworks unterstützen, von denen über fünfzig existieren. Historisch gesehen ist eines der bekanntesten das Zachman Framework, das 1987 veröffentlicht wurde und die Entwicklung der Enterprise Architecture maßgeblich beeinflusste. Heute am weitesten verbreitet ist das von der Open Group 1995 veröffentlichte „The Open Group Architecture Framework“ (TOGAF).

TOGAF wird von „The Open Group Architecture Forum“ entwickelt, das über 300 Mitgliedsfirmen hat und ist grundsätzlich frei zugänglich. Kommerziell genutzt bedarf es jedoch einer Lizenz. Seine große Stärke ist die offene, hersteller- und werkzeugunabhängige, von einer Community gesteuerte Entwicklung sowie die weltweit große Anzahl an zertifizierten Architekten. TOGAF besteht aus den Hauptkomponenten Architecture Capability Framework, Architecture Content Framework, dem Enterprise Continuum, welches Referenzmodelle zu Verfügung stellt, und dem Herzstück Architecture Development Method ADM. ADM ist iterativ aufgebaut und erlaubt die Anpassung an geänderte Requirements zwischen den Iterationen.

Die Darstellung der Enterprise Architecture geschieht mit geeigneten Tools, die eine standardisierte, graphische Beschreibungssprache unterstützen – standardisiert, um den Datenaustausch zwischen verschiedenen Softwarepaketen sicherzustellen und die Informationen mit genormten graphischen Symbolen darzustellen:

ArchiMate® ist eine Beschreibungssprache im Stile der Unified Modeling Language (UML), die ebenfalls von der Open Group weiterentwickelt wird.

Der Sparx Enterprise Architect ist ebenfalls ein Modellierungswerkzeug, das UML unterstützt, eine dreißig Tage lauffähige Trialversion lässt sich zu Testzwecken downloaden.

Iteraplan ist eine in Java geschriebene und damit plattformunabhängige EAM Software, die es auch in einer eingeschränkten, kostenlosen Liteversion gibt.

In Deutschland bekannter ist ARIS, das 1991 ursprünglich an der Universität des Saarlandes entwickelt wurde und ebenfalls eine graphische Darstellung der Architektur erlaubt, sich jedoch hauptsächlich auf Geschäftsprozesse fokussiert.

Roger Bilau
Senior Consultant Systems Engineering

Literaturempfehlung:
Enterprise Architecture Management – einfach und effektiv: Ein praktischer Leitfaden für die Einführung von EAM von Inge Hanschke, 2. Auflage erschienen 2016, ISBN 978-3446447240

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